Förderverein der Realschule ermöglicht Lesung mit Ruth Weiss101 8777

Für zwei neunte und drei zehnte Klassen der Realschule Stühlingen steht in diesem Schuljahr die Lektüre von „Meine Schwester Sara“ von Ruth Weiss im Curriculum des Faches Deutsch, und so war es ein besonderes Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler, die Autorin während einer Lesung in der Aula persönlich kennenzulernen. Die Gage der Autorin wurde vom Förderverein der Realschule übernommen.

Die Autorin floh 1936 mit ihrer jüdischen Familie vor dem Naziterror in Deutschland nach Südafrika. Dort erlebte die Jugendliche die Anfänge des Apartheid-Regimes. Sie akzeptierte es nicht, als Weiße privilegiert zu sein und begann ihren Kampf gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Als Korrespondentin bereiste sie ganz Afrika und traf Persönlichkeiten wie Nelson Mandela. Mittlerweise lebt die 93-Jährige in Dänemark und kommt regelmäßig nach Deutschland, wo sie gemeinsam mit ihrem Verleger Lutz Kliche in Schulen von ihrem ereignisreichen Leben erzählt und für Toleranz und Zivilcourage wirbt. „Rassenideologien sind grundlose Ablehnung anderer Menschen. Man hat vor dem Angst, was man nicht kennt.“

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird sie in der Zukunft wiederholen“ mit diesen Worten begrüßte Schulleiter Felix Lehr die Referentin und ihren Moderator und Sprecher Lutz Kliche

und übergab ihnen das Wort. Ruth Weiss begann mit einem Überblick über die Geschichte Südafrikas, die in eine Politik der Apartheid mündete, in der große Teile der Naziideologie wiederzufinden waren. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman „Meine Schwester Sara“ der auf wahren Begebenheiten beruht,  nämlich dem Schicksal eines jungen Mannes, Arnold, den Ruth Weiss als Journalistin kennen lernte und der ihr sein Leben erzählte. Als Jude musste er Ausgrenzung und Intoleranz erleben, und das bereits als Kind. Über Saras Stiefvater schreibt Ruth Weiss: „Tiere konnte er lieben, die Hebräerin nicht…“  Arnold lehnte die Politik des Elternhauses ab, entwarf zusammen mit gleichgesinnten Freunden regierungsfeindliche Flugblätter, was den Verlust seines Studienplatzes nach sich zog. Passend zu den Ausführungen von Ruth Weiss las Lutz Kliche Textstellen aus ihrem Buch vor. 

Lesung Ruth Weiss 2018

Gebannt lauschten die Schülerinnen und Schüler den ergreifenden Worten einer Zeitzeugin, deren Worte sicher mehr bewegen können als noch so viele Schulbuchseiten zum gleichen Thema. Um den Lernfortschritt aufgrund der Lesung zu erfassen, bekamen die Schülerinnen und Schüler Fragebögen, die sie vor und nach der Veranstaltung ausfüllen sollten. Das Ergebnis wird wissenschaftlich ausgewertet, man kann gespannt darauf sein. Bei der sich anschließenden Fragerunde, von der reger Gebrauch gemacht wurde, erfuhren die Zuhörer, dass Ruth Weiss das Buch in nur vier Wochen geschrieben hat, es ist eines von 33 bereits erschienen, viel weitere warten noch auf ihre Veröffentlichung. Auf die Frage, wie sie das „neue Afrika“ sieht, wies sie darauf hin, dass über 60 Prozent der dortigen Bevölkerung unter 20 Jahre alt ist und Hoffnung besteht, dass die vielfältigen Probleme, die das Land immer noch hat, von diesen jungen Leuten gelöst werden können. 

Das Angebot, die Bücher der Jugendlichen zu signieren, fand begeisterte Zustimmung, sodass die Warteschlange recht lang war.